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als ich versuchte, einen text zu schreiben wie funny van dannen

Auf meinem Weg zur Schule pflegte ich jeden Morgen alle Löwenzahnblüten abzurupfen, die ich finden konnte. Mein Sandkastenfreund Erik fand das zwar ziemlich blöde, weil er dadurch immer zu spät zu Mathe kam und nachsitzen musste, aber er konnte mir diese Angewohnheit nicht vermiesen. „Ha!“, dachte ich, „wenn man sich durch solche Nichtigkeiten von seiner Berufung abhalten lässt, das wäre ein schöner Anfang für ein Leben!“

Ich träumte davon, Raumfahrerin zu werden und sah mir jeden Bericht darüber im Fernseher an. Aber meine Mutter wollte lieber, dass ich Blockflöte lernte, und so saß ich jeden Dienstag und Donnerstag nachmittag zwischen 3 und 4 bei Herrn Weihschädel und übte Tonleitern. Dabei guckten mir aus allen Hosentaschen die Löwenzahnblüten hervor und die Blütenblätter verteilten sich im Laufe der Stunde auf dem Teppich meines Lehrers.

Da bekam er eines Tages einen Wutanfall und ich durfte erst mal nicht mehr kommen.

So gewann ich viel Zeit, auf der Wiese zu liegen, in den blauen Himmel zu gucken und mir vorzustellen ich flöge zu fremden Sternen.

Da hatte ich natürlich Oberwasser und Erik konnte mir gar nichts mehr mit seinem Gejammer. Das mit dem Löwenzahn-Pflücken hat absolut seinen guten Zweck erfüllt und das sagte ich Erik dann auch. Meiner Mutter aber lieber nicht, die war ein bisschen enttäuscht und ich tat vor ihr immer so, als fände ich die ganze Geschichte sehr bedauerlich.

11.2.08 17:25


plädoyer für ein ungesundes leben

das rauchverbot ist ein "Ding" das sich - soweit ich es grad überblicke - im focus zweier hegemonialer diskurse der vergangenen jahrzehnte materalisiert hat. Zum einen der drogendiskurs, der sich in einer drogenpolitik ausdrückt, die, so sie auf die KonsumentInnen zielt, insgesamt zur zeit scheinbar eher weniger repressiv wird, was illegalisierte drogen angeht - während es eine solche drogenpolitik im heutigen sinne erst seit den späten 60er jahren gibt und zu diesem zeitpunkt eindeutig als ordnungspolitisches instrument und repressive maßnahme inauguriert wurde um die herumlungernden massen in den griff zu bekommen. es entsprach nicht dem main stream, das herumlungern selbst zu verbieten - was mittlerweile ja kein problem mehr darstellt - deshalb verbot man die drogen derer, die dem staat auch noch aus anderen gründen ein dorn im auge waren. ein gutes mittel, um ein bisschen herumzuschnüffeln und sanktionen zu verhängen. heute gibt sich drogenpolitik, so sie auf die konsumentInnen zielt immer auch als biopolitik: statt den konsum hart zu sanktionieren, kommt der staat seiner "fürsorgepflicht" nach,er kümmert sich um die gesundheit seiner Mitglieder, ganz im sinne eines gütigen "Vater" Staat. das abstinenzgebot durchwaltet diese politik als ungefragt vorausgetzter konsens. Die entscheidung FÜR die droge oder für die sucht gar geht in den Begriffen der staatlichen Drogenpolitik nicht auf. GLEICHZEITIG beginnt der staat die möglichkeiten einzuschränken für menschen, die beim aufhören mehrere versuche benötigen: es werden Therapien angeboten, und leute immer noch dazu ÜBERREDET bzw. durch die androhung von haftstrafen gezwungen, diese wahrzunehmen - ein wiederholter misserfolg führt aber zur streichung dieser möglichkeit.

wenn es zu teuer wird, sagt der geldgeber, dann geh doch bitte lieber drauf.

Tatsächlich ist drogenpolitik immer beides: Biopolitik, die auf die körper der Citizens zielt und machtpolitik, die sanktioniert und strafen verhängt.

hier wird die überschneidung zum zweiten diskurs sichtbar, der sehr eifrig aufgegriffen und geführt wird, weil er uns bei unserem innersten packt: ganz schlicht bei unserer todesangst. das ist natürlich der diskurs über die gesundheit (und fitness und attraktivität und dergleichen mehr). krankheit wird dabei immer mehr zum persönlichen verschulden eines jeden, die krankheit wird nicht mehr als etwas angesehen, das natürlicherweise und auch schicksalshaft zum leben dazugehört, und - jawohl, welch eine überraschung! - immer mal wieder auch zum tode führt, sondern als etwas, das das individuum unter kontrolle bekommen kann. du entscheidest selbst, wann du stirbst, lautet das im subtext dieses diskurses angesiedelte versprechen.

Sanktionen und belohnungen in diesem bereich (erhöhte krankenkassenbeiträge für risikosportler, prämien für leute die sport treiben oder mit dem rauchen aufhören, rauchverbot) sehen sich auch als unterstützung des vorausgesetzten guten bürgerwillens zum gesunden leistungsfähigen, arbeitstauglichen, ausbeutbaren körper. Bei den krankenversicherungen nur eine weitere scharte im eigentlich solidarisch gemeinten prinzip: denen, die zu wenig auf sich achten, jedenfall entzieht man diese. wie auch denen mit den schlechten zähnen und den armen, die die 10 euro nicht aufbringen. (als nicht-hegemonialen diskurs würde ich die rolle der tabakindustrie sehen - das ist eher der diskurs einer linken, die sich mit einzelnen phänomenen unserer guten und mittlerweile schon als "alten" zu bezeichnenden produktionsweise herumschlägt.)

Zum einen wird völlig ausgeblendet, dass jemand drauf scheißen könnte, dass jemand sich FÜR das kranke leben in einer kranken welt entscheiden könnte (bei aller angst und allen zweifeln), das wird nicht nur immer un-glaub-licher sondern auch unwahrscheinlicher, da es natürlich unmöglich ist, sich der wirkung dieser diskurse zu entziehen. gleichzeitig werden die leute aber JENSEITS irgendeiner ENTSCHEIDUNG gar nicht gesünder, sondern sie bleiben krank oder werden es irgendwann: dies ist plötzlich zum persönliches versagen geworden.

mit diesem gefühl des versagens laufen wir herum, die schuld, schlecht mit uns umzugehen, weil wir die falschen oder zu viele substanzen einnehmen, das falsche oder zu viel oder zu wenig essen, uns zu wenig oder falsch bewegen, zu viel oder zu wenig feiern, zu viel oder zu wenig schlafen, zu dick sind, zu trockene haut vom vielen duschen haben, zu selten zum zahn- frauen - darm- oder überhaupt arzt gehen um die entsprechenden vorsorgeuntersuchungen machen zu lassen, diese schuld drückt dann einen großteil der menschen irgendwie mehr oder weniger nieder, denn es gilt ja, das versprechen eingelöst zu bekommen, das immer noch im subtext all dieser gebote, verbote, ratschläge, richtlinien, vorgaben, tipps und tricks für einen fitten körper lauert: du entscheidest selbst, wann du stirbst.

natürlich kann man das auch umdrehen: wir haben alle die hosen gestrichen voll, dass dieses versprechen nicht stimmen könnte, dass "er" eben doch einfach so über uns kommt... oder man verlagert diese Schuld nach außen, perfides instrument der projektion in den händen eines allzu restriktiven Über-ichs: die anderen sind schuld, die in meiner gegenwart rauchen, die verursachen, dass ich sterbe. 

tatsächlich kotzt mich mein eigenens rauchen oft an, und ich kriege das mit dem aufhören nicht so recht hin: zur zeit aber, muss ich sagen, rauche ich mit einer freude und unbekümmertheit, wie seit meinen jugendjahren nicht mehr.

eins noch zum ende: es sterben gut 100000 menschen jährlich an den folgen von tabak, heisst es in einschlägigen statistiken.

ich habe eine nachricht für uns: wir werden ALLE sterben.

wir werden alle sterben.

alle. alle alle alle alleallealleallealle

Zum zum punk werden is das, verdammt... In diesem sinne: no future! - und für immer krank und mit süßen grüßen

12.2.08 00:49





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